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Herbstserien 1998 im Amerikanischen
Fernsehen
epd medien Nr. 75 vom 26. September 1998
Die amerikanische
Latenight-Show Politically Incorrect"
epd medien Nr. 88 vom 12. November 1997

AUSLAND
U S A
Ein Ventil für
die Bevormundeten
Die amerikanische Latenight-Show
Politically Incorrect"
epd - Eine Talkshow wie jede andere ist Politically
Incorrect" sicherlich nicht. Obwohl es einige Parallelen zu Jay Leno
oder David Letterman gibt. Den Standup-Comedian-TeiI beispielsweise, bei dem der Gastgeber
erstmal das Publikum mit mehr oder weniger guten Witzen aufwärmt, hat man sich - wenn
auch teilweise auf etwas höherem Niveau - auch bei Politically Incorrect"
nicht verkneifen können. Und es gibt Gags wie diesen: Bob Dylan besuchte den Papst. Der
Manager der Popgruppe Meatloaf fragt an, ob auch er den Papst besuchen dürfe. Die
Antwort: Gerne, aber nicht an einem Freitag.
,Politically Incorrect" startete auf dem
Comedy-Channel und wanderte dann zu ABC. Der enorme Erfolg der Latenight-Show deutet
darauf hin, daß man es hier mit einer Art Ventil für die politisch korrekt Bevormundeten
zu tun hat, denn die amerikanische Show ist, mit deutschen Augen betrachtet, zwar hin und
wieder etwas frech, aber ansonsten relativ harmlos. In den Vereinigten Staaten hingegen,
wo Raucher mittlerweile den Status von Drogenabhängigen und Frauen den von Unantastbaren
haben, ist die Show schon etwas Ungewöhnliches, und es bietet sich in den USA ein weites
Feld für Incorrectness.
Gastgeber
Bill Maher, dem seine Talkgäste von Zeit zu Zeit entgleiten, gibt sich redlich Mühe, die
Ordnung unter den vier geladenen Gästen - in der Regel ein Schauspieler, ein Komiker, ein
Regisseur oder Buchautor und ein Gast aus dem aktuellen Bereich - einigermaßen
herzustellen. Ein etwas erstauntes Gesicht machte er, als Komiker Andrew Dice"
Clay, in den USA besser bekannt als ,Diceman" (Würfelmann), eine amerikanische
Kreuzung aus Tom Gerhard und Arnold Schwarzenegger, sich mit dem Hinweis auf den Titel der
Show demonstrativ eine Zigarette anzündete. Dicht gefolgt vom Schauspieler George
Hamilton, der sich mit einer Zigarre anschloß, über deren Provinienz er sich
anschließend ausführlich ausließ. Auch das öffentliche Angebot der beiden, den
bekannten Radiomoderator Howard Stern zu einer Schlägerei einzuladen, um sich für die
unfreundlichen Dinge zu bedanken, die er in seiner Sendung gesagt hatte, kann Maher nicht
aus der Ruhe bringen.
Über kontroverse Meinungen und dummes Gerede muß sich
Maher im Normalfall keine Gedanken machen. Die Gäste regeln das unter sich. Und zwar
erheblich gepflegter als beispielsweise beim Talk im Turm", wo das
Stimmengewirr zeitweilig jedes Verstehen unmöglich macht. Durch die gute Auswahl der
Talkgäste findet sich immer jemand, der den Schwätzer mit beißender Ironie oder durch
eine witzige Bemerkung in die Schranken weist.
Manchmal Iäßt es sich Bill Maher aber auch nicht nehmen,
sich selbst intensiv mit einem Talkgast zu beschäftigen. Beispielsweise mit der
Buchautorin und Kolumnistin Courtney Weaver, die an einer Stelle ihres neuen Buchs mit
ihren Brüsten spricht. Für Maher ist diese Stelle durchaus erklärungsbedürftig, und
Weaver hat genau damit erhebliche Probleme. Einfach mal nachfragen, was mit so manchem
PC-Kram denn nun eigentlich genau gemeint ist. Und da kommt so mancher ins Schleudern.
Christie O'Donnell, weiblicher Talkgast mit starker Abneigung gegen Männer und sehr
seltsamen Ansichten über diese, wird von Maher erstmal gebremst, nachdem sie keinen
anderen Gast einen einzigen Satz zu Ende bringen ließ. Bill Mahers kommentierende Frage
(die sich Teile des Publikums im Stillen ohnehin bereits gestellt hatten) Sind Sie
noch Jungfrau?" hatte dann auch den gewünschten Erfolg.
Andere Themen bei Politically Incorrect" sind
etwa die Moral in Hollywood-Produktionen oder auch das große Thema Romantik: Warum
werden in Restaurants eigentlich immer Rosen verkauft? Es wäre doch schön. wenn ein
hübsches Mädchen mit einem Werkzeugkasten herumliefe, dann könnten die Frauen den
Männern beispielsweise einen Schlagbohrer oder einen Schraubenzieher schenken."
Überziehen darf Bill Maher seine Sendezeit, die mit einer
knappen halben Stunde (0.05 bis 0.35 Uhr - abzüglich der Werbung) ohnehin viel zu kurz
ist, übrigens nicht. Es kommt ab und zu vor, daß seine Absage ausgeblendet wird.
Zugunsten von Commercials. Wie gesagt: eher harmlos. aber mehr ist in PC-Amerika wohl
nicht drin.
Alexander
Hast

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